Vorne hui, hinten pfui!

Vor einer geraumen Weile habe ich von dem Rock aus der Hose berichtet und auch geschrieben, dass ich mir das Schnittmuster Heidi bestellt habe: Ein Schnittmuster für ein Upcycling-Kleid aus einer Anzughose. Wie das bei mir immer so ist, lag es ewig rum und plötzlich kam ich dann aus den Gedanken, ich brauche das Kleid sofort, ich will es am Wochenende anziehen! Das war Dienstag vor zwei Wochen der Fall, Samstag wollte ich es anziehen, aber die Tage dazwischen waren nicht sonderlich „frei“. Mittwoch den ganzen Tag Uni, Donnerstag Arbeit bis 12 danach Essen gehen und einkaufen, Freitag vormittags Zeit, dann Uni bis abends, Samstag Uni bis 16 Uhr und um 19 Uhr Partybeginn… Soweit der Zeitplan.

Dienstag Abend habe ich noch das Schnittmuster zugeschnitten, die Hose ausgesucht und die Naht aufgeschnitten. Das Schnittmuster kommt auf Papier, in der Größe, die man gekauft hat. Da drauf ist auch die Nähanleitung und die Stoffzuschnitt-/Hinlegeanweisung. Wenn man also das Schnittmuster ausgeschnitten hat, schmeißt man den Rest weg und hat alles an einem Ort. Der Mann im Haus hat einen alten blauen und einen alten schwarzen Anzug. Ich habe mich für schwarz entschieden (jetzt im Nachhinein bereue ich das, aber dazu später mehr) und für ein letztes Foto Aufstellung nehmen lassen. Da musste jemand aber schon sehr den Bauch einziehen 😀 Dann habe ich den Mann im Haus noch schnell einen Reißverschluss bestellen lassen und ab ins Bett!

Mittwoch vor der Uni (Beginn um zehn) habe ich den Besatz zugeschnitten. Vorher habe ich gegoogelt, was „Besatz“ ist. Aber natürlich, das ist einfach das Innenfutter von dem Kleid! Von der Anleitung ist dafür ein altes Hemd vorgesehen. Ich hatte kurz überlegt, irgendwas Gemustertes oder Buntes zu nehmen, habe mich aber dann doch für das Hemd entschieden, immerhin liegt das schon seit einem Jahr hier rum und wartet auf irgendeine Bestimmung.

Vielleicht hätte ich das Hemd vorher bügeln können, aber was solls, ich bleibe dabei, Bügeln ist völlig überbewertet!

Dann hätte ich zur Uni gemusst. Oder aber, ich geh nicht hin 😉 Nun, ich habe mir also unifrei genommen und weiter gemacht. Aber dann war alles erst mal eine Weile ganz unspektakulär. Ich habe das Schnittmuster auf der Hose festgesteckt, das passte mit ein bisschen Zuppeln und Ziehen dann auch drauf, wahrscheinlich war das Bein von Anzughosen zehn Jahre vorher noch breiter geschnitten. Dann habe ich endlich rein geschnitten, so sah das Ganze dann aus! (Für die Länge kann ich nichts, die hat der Mann im Haus bestimmt 😉 )

Ich bin inzwischen, richtig vorbildlich, dazu übergegangen, die Nähmaschine vor jedem Projekt sauber zu machen. Natürlich nur, weil ich es ein dreiviertel Jahr nicht regelmäßig gemacht habe und deswegen immer wieder Probleme beim Nähen hatte… DSC02976Aber nun, irgendwie muss man ja dazu lernen 😀 Und da kam auch mal wieder richtig was raus!

Dann muss man als Erstes alle Schnittteile versäubern. Da habe ich auch noch mal im Internet gestöbert, was es da so für Möglichkeiten gibt. Aber für mich kam nur „einfach mit Zickzack-Stich drum rum nähen“ in Frage. Das habe ich auch gemacht. Erst hatte ich ein bisschen Sorge, dass ich dabei irgendwas falsch mache. Man sieht es nicht ganz so gut, aber der Hemdstoff hat sich dabei zusammengezogen.DSC02977 Aber so richtig ändern konnte ich das ja auch nicht, also habe ich tapfer weiter gemacht. Um ein Uhr mittags habe ich völlig panisch auf die Uhr gesehen und gedacht: „Oh mein Gott, du hast seit anderthalb Stunden keine Fotos gemacht! Du wolltest doch alles dokumentieren!“ Aber dann wich dieser Schreck einem anderen: Ich habe anderthalb Stunden gebraucht, um alles zu versäubern. Ich hab mich nicht mal doof angestellt, oder irgendwas falsch gemacht. Das hat einfach nur unendlich lange gedauert! Aber Versäubern hat auch was Gutes! Man kann endlich mal die Rollen mit den Fadenresten verbrauchen. Eigentlich reichen die ja noch voll für irgendwas, aber bei einem großen Projekt will man sie doch nicht benutzen, weil dann zwischendurch der Faden leer ist und mal eine doppelte Naht hat und das dann blöd aussieht. Aber das war ja hier egal, weil ja eh alles innen ist.

Gut gut, irgendwann ging es weiter. Die Abnäher feststecken und fest nähen, danach die vordere Naht schließen, dann die Seitennähte (oder umgekehrt, da bin ich mir nicht mehr ganz sicher 😀 ).

So, dann war es vier Uhr, der Reißverschluss war noch nicht angekommen und ich habe mich beim Mann im Haus beklagt… Er hat mir angeboten, in der Stadt noch einen zu kaufen, dieses Angebot habe ich gerne angenommen. Als er dann zu Hause war, sind wir aber doch auf dem Sofa gelandet und ich habe nicht mehr an dem Kleid weiter gearbeitet. Aber es war ja auch noch Zeit 😉

Donnerstag war ich dann irgendwann zu Hause und habe noch schnell die Seitennähte vom Besatz geschlossen. Und dann stand ich da:
Ich habe ein Kleid aus einer Hose, einen Besatz aus einem Hemd und einen Reißverschluss. Und irgendwie sollen die zusammen kommen. In der Anleitung steht, den Reißverschluss verkehrt auf den Besatz nähen, Besatz und Kleid verstürzen, Reißverschluss an das Kleid nähen. Und die Anleitung ist wirklich nicht ausführlicher als das, was ich hier geschrieben habe! Aber ich bin ja nicht blöd! 😀 Ich habe erst mal alles geheftet. Meine Oma hat mir das ja sowieso so beigebracht: Immer erst alles heften! Aber nun, man muss sich auch mal gegen die Obrigkeit auflehnen!

Aber hier nicht. Ich habe geheftet, weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie ich das nach dem Verstürzen noch wenden sollte, so dass am Ende alles richtig ist.

Und, Überraschung Überraschung, es ging nicht. Ich habe alles versucht, auch nur einzelne Teile heften, oder doch den Reißverschluss erst an die Hose nähen. Keine Chance! Natürlich hatte ich die ganze Zeit auch den Gedanken, dass es ja gehen muss, irgendwer hat doch mit Sicherheit schon mal dieses Kleid genäht. Aber ich nicht… Also habe ich Donnerstag Abend eine völlig verzweifelte Email an Milch geschrieben und mein Problem geschildert. Und es kam auch prompt eine Antwort! Ihr sei das Problem bewusst, sie gebe die Frage an ihre Schneiderin weiter (diese habe ihr das Ganze schon einmal erklärt, aber sie habe es sich nicht gemerkt) und melde sich dann wieder. Außerdem sagte sie auch, dass eine Videoanleitung sicher hilfreich sei. Und das konnte ich nur bestätigen! Aber damit war das für mich am Donnerstag auch erst mal erledigt, in der Hoffnung, sie meldet sich noch mal und hilft mir.

Freitag vor der Uni habe ich mir einen grauen Sweatshirt-Schlauchrock genäht. Aus Frust. Freitag Abend immer noch keine Nachricht…

Als ich Samstag aus der Uni kam, hatte ich beschlossen, ich löse das Problem selbst! Davon gibt es aber keine Fotos, ich hatte ja nur ein kleines Zeitfenster, das ich nicht mit Fotografieren vertrödeln konnte!

Ich habe also den Reißverschluss auf den Besatz genäht, so wie ich ihn vorher auch schon fest gesteckt hatte. Dann habe ich den Besatz so in das Kleid gelegt, wie er später auch sein soll, also mit dem Kleid links aus links. Und dann habe ich jedes Stückchen von dem Kleid und dem Besatz per Hand nach innen eingeschlagen und fest gesteckt! Das war die ganze Zeit mein Plan Y, aber das war so aufwendig, dass ich es lieber nicht machen wollte. Aber ich wollte das Kleid ja auch unbedingt anziehen, also musste ich es doch machen… Erstaunlicherweise war das nicht halb so nervig, wie ich erwartet habe, hat aber trotzdem seine Zeit gedauert.

Und dann musste ich noch den Reißverschluss an die Hose nähen… Eigentlich ist es ja ein verdeckter Reißverschluss, aber das hätte ich beim besten willen nicht hin bekommen. Also habe ich einfach den Stoff auf den Reißverschluss gesteckt und fest genäht. Eigentlich kein Problem. Aber… Irgendwie… Ich weiß nicht wie… Der Stoff hat sich beim Nähen verzogen. Auf der ersten Seite war das noch irgendwie okay, auf einmal hatte ich unten einen Zentimeter Stoff „übrig“, aber das war ja nicht schlimm, ich hab den Reißverschluss einfach einen Zentimeter weiter eingenäht. Alles easy! Ich war selbstverständlich davon ausgegangen, dass das auf der anderen Seite auch passiert und dann ist alles gerade. Denkste! Auf der anderen Seite hatte ich am Ende gut 3cm Stoff übrig! Wo sollte ich die denn hin verstecken?!

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Jeder, der mich kennt, weiß, wie schnell meine Laune daraufhin im Keller versunken ist… Oh man, hatte ich da schlechte Laune! Ich habe es auch angezogen, um zu sehen, ob man es sieht. Und man sieht es. Ein Blinder sieht es. Dann brauchte ich richtig schnell eine Lösung, wir hatten ja auch keine Zeit mehr. Aber die vielen Stunden meines Lebens dafür geopfert zu haben, dass ich auf dieser Party etwas anziehe, das alle schon mal bei anderer Gelegenheit gesehen haben, war mir absolut zuwider! Also blieb nur eine Möglichkeit: Kleid anziehen und lange Strickjacke drüber! So hat man zwar nicht allzu viel von dem Kleid gesehen, aber immerhin hatte ich es einmal an! Und nun die Fotos!

 

Nun bereue ich es natürlich, zuerst die schwarze Hose genommen zu haben, das ist ja die Schönere! Ich kam gar nicht auf die Idee, erst mal die nicht so schöne zu nehmen. Dabei hatte ich die ganze Zeit den Gedanken im Kopf: „Wenn etwas schief geht, hast du noch eine Hose.“ Nun ja, ich werde dieses Kleid wahrscheinlich nie wieder tragen. Von Milch kam auch noch eine Nachricht, leider erst am Montag. Noch nicht mit einer Videoanleitung zum Kleid Heidi, aber mit einer Schritt für Schritt Anleitung von einer anderen Seite. Auch da wird ein Etuikleid genäht, mit verdecktem Reißverschluss und Besatz. Ich denke, das hätte mir geholfen, aber ganz verstehe ich die Anleitung auch nicht, wenn ich das an irgendwas direkt ausprobieren kann. Ich muss das halt in der Hand haben! Aber bei dem nächsten Heidi werde ich die Seite noch mal zu Rate ziehen.

Nun noch die Moral von der Geschichte: Hosenstoff verzieht sich komisch, wenn man einen Reißverschluss annähen will, oder ich hab irgendwas falsch gemacht… Eine Anzughose habe ich ja noch 😉

Und verlinkt wird das Ganze auch noch! Weil heut Donnerstag ist, geht es auf zu RUMS!

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7 Gedanken zu “Vorne hui, hinten pfui!

  1. Ein wahrer Nähkrimi! Habe es total gern gelesen und sogar ein wenig mit dir mit gelitten! Ich glaube, ich hätte das Projekt nach der ersten Pleite schon in die Ecke geschmissen. Für sowas bin ich nämlich überhaupt nicht tauglich! Schnittmuster und Anleitungen sind aber auch manchmal echt voll daneben. Die ganzen Begrifflichkeiten wollen einfach nicht in meinen Kopf. Wie lange ich gebraucht habe, um das Wort „verstürzen“ in die Praxis umzusetzen :-). Abstürzen, ja, das leuchtet ein … aber verstürzen? Nun ja, muss wohl so!
    Ich nähe nur Dinge nach Schnittmuster, die ganz einfach sind. Und wenn ich was nicht verstehe, dann mache ich mein eigenes Schnittmuster. Für das Reißverschlussproblem habe ich auch keine Lösung. Warum ist das bloß passiert?
    Aber ich muss sagen, von vorn ist das Kleid ein absolutes Highlight. Raffiniert! Von hinten … nun ja, du sagtest es ja :-). Ich habe mir die Fotos mal vergrößert und sähe eine klitzekleine Chance, es zu retten! Trenn den Reißverschluss noch einmal auf und nähe ihn erneut von UNTEN nach oben ein. Also unten als erstes ansetzen und erst die eine Seite von unten und dann die andere! Vielleicht zieht der Stoff dann in die richtige Richtung. Wenn dann oben Stoff übrig ist, dann kannst du den Ausschnitt noch entsprechend anpassen. Wäre eine Möglichkeit, oder?
    LG
    Frau H.

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    1. Danke für den Kommentar! Ich hab früher auch alles gleich in die Ecke geschmissen, aber dafür ist ja dieser Blog, damit ich auch mal was fertig mache 😉
      Auftrennen und anders herum nähen kam mir auch schon in den Sinn. Aber ich habe am Ausschnitt ja den Reißverschluss mit verstürtzt und dann müsste ich ja den Ausschnitt auch wieder auftrennen… Das Kleid wäre es zwar wert, aber wenn irgendwas nicht passt oder schief gegangen ist, schmeiß ich es lieber dann in die Ecke, als es noch mal neu zu machen 😀 Aber ich ziehe es auf jeden Fall in Erwägung! Eigentlich ist die Anzughose auch zu gut, als dass sie jetzt nur im Schrank versauert…

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