Großproduktion im Test

Seit einem halben Jahr habe ich eine Nudelmaschine. Die haben wir einmal an Weihnachten benutzt, um Ravioli zu machen, und dann noch einmal vor zwei Wochen, um einfach mal Nudeln zu machen. Bevor ich so ein Teil hatte, war öfter mal ein Freund hier, der seine Nudelmaschine mitgebracht hatte, wir haben also nicht erst zweimal Nudeln gemacht. Aber jedes Mal, wenn man dieses Teil, was die meiste Zeit friedlich in der Küche hinter der Tür auf dem Regal ruht, auspackt, denkt man: Boah für ein Essen lohnt sich das überhaupt nicht!

Ich hab mich also wieder und wieder schlau gelesen und endlich sind wir an diesem Wochenende mit tatkräftiger Unterstützung meines Bruders (der jetzt auch noch die Hälfte haben will) in die Großproduktion gegangen. Dafür muss man vorab für sich Einiges entscheiden. Und zwar:

  • Mit oder ohne Ei?
    Wenn man im Internet nach Nudelteigrezepten sucht, findet man fast ausschließlich Nudeln mit Ei. Wenn man aber in der echten Welt mal auf die Nudelpackungen guckt, findet man fast ausschließlich Nudeln ohne Ei. Ich finde schon, dass das ein bisschen stutzig macht… Die Frage ist dann, frisches Ei, kann man das einfach trocknen, dann ewig liegen lassen und trotzdem essen? Bei meiner Suche habe ich irgendwo die Bemerkung gefunden, dass getrocknete Nudeln natürlich eine längere Kochzeit haben und man sich deswegen keine Sorgen wegen Salmonellen machen muss. Also geht das auch.
  • Wie viele Nudeln machen wir?Es soll sich ja lohnen und wir hatten den ganzen Tag Zeit. Also habe ich sechs mal Teig für 4 Personen zusammen gerührt. Drei mal ohne Ei, drei mal mit Ei. (Einmal ohne Ei war schon für gestern Abend zum Essen geplant. Wenn man den ganzen Tag Nudeln macht, muss man abends einfach Nudeln essen!)
  • Welches Rezept soll es sein?
    Alle Rezepte sind sich sehr ähnlich oder gleich. Trotzdem will ich kurz aufführen, wofür ich mich entschieden habe.
    Nudeln mit Ei für 4 Personen:
    -300g Weizenmehl (Typ 405)
    -3 Eier
    -1EL Olivenöl
    -1/2TL Salz
    Nudeln ohne Ei für 4 Personen:
    -150g Weizenmehl (Typ 405)
    -150g Hartweizengrieß
    -150ml kaltes Wasser
    -1/2TL Salz
    Bei beiden Rezepten werden alle Zutaten zusammen gemischt und zu einem glatten Teig verknetet. Dann muss der Teig 30-60 min ruhen. Ich habe ihn jeweils nicht in Frischhaltefolie gewickelt. Die dient ja nur dazu, dass der Teig nicht austrocknet, aber ich habe Deckel für meine Schüsseln und zur Not tuts auch ein Teller 😉

Ja. Rühren, kneten, ruhen, walzen, schneiden, aufhängen. So einfach. Beide Teige sind relativ klebfrei, nur wenn es dann daran ging, die geschnittenen Nudeln auseinander zu trennen und aufzuhängen, hat mal ein bisschen was geklebt.

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Um ein bisschen Abwechslung rein zu bringen, wollte ich einen Anteil der Einudeln färben. Dafür hatte ich rote Lebensmittelfarbe bereit gelegt. Dann habe ich das erzählt und mein Bruder sagt: „Waaaas?! So was Künstliches willst du benutzen? Das geht doch sicher auch mit Tomatenmark. Ich google das mal.“ Offensichtlich schlägt meine Erziehung an, aber ausgerechnet jetzt? 😀

Er hat es gegooglt, wir haben 50g Tomatenmark in ein 4-Personen-Rezept gemischt. Was ich dabei nicht so richtig beachtet habe, ist, dass Tomatenmark ja auch Flüssigkeit mitbringt. Also musste ich schon beim Kneten, aber auch beim Walzen noch ziemlich viel Mehl zusätzlich einarbeiten. Das ging aber auch. Nächstes Mal würde ich für das Tomatenmark vielleicht ein Ei weg lassen.

Der Tag danach ist so ein bisschen wie nach ner großen Party, wenn man feststellt, dass überall Flaschen stehen und Kippen rum liegen 😀 Überall hängen und liegen Nudeln, auf dem Boden liegen ein paar angebrochene 😀

 

Und zum Abschluss noch mal der Vergleich! Von oben nach unten haben wir hier erst Nudeln ohne Ei, dann mit Ei und zum Schluss mit Ei und Tomatenmark. Wenn die Nudeln nebeneinander liegen, sieht man den Unterschied doch ganz deutlich!

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Manch einer wird sich vielleicht fragen: Lohnt sich das? Oder auch: Was kostet das? Zuerst zu den Kosten, das ist einfacher 😉 In unseren Einudeln sind Eier von der Bruderhahn Initiative drin. Die sind wahrlich alles andere als günstig. Nur durch die Eier steigt der Preis für 4 Portionen damit auf rund 1,50€ (ich zahle beim Händler meines Vertrauens 45 Cent für ein Ei). Die Nudeln ohne Ei sind weit günstiger. Da ich ich doch besonders günstiges Mehl und besonders günstigen Hartweizengrieß gekauft habe, beläuft sich der Preis für 4 Portionen hier auf 0,19€. Da ist aber der Aufwand wirklich nicht mit eingerechnet!
Ob sich das lohnt, ist eine andere Frage. Wir haben gestern auch darüber nachgedacht, ob es wirklich den Aufwand wert ist. Ich denke schon, die Männer haben sich nicht abschließend geäußert. Man muss sich da schon einen Spaß draus machen, der Mann im Haus nannte es „Event“. Wir hatten einen schönen Tag, haben viel geschafft und wissen jetzt, was die nächsten paar Essen wirklich in unseren Nudeln drin ist. Außerdem kann man auch besondere Nudelkreationen machen, mit verschiedenen Geschmacksrichtungen, Ölen, Farben, Kräutern und so weiter. Das hatte ich für gestern (abgesehen von der roten Farbe) noch nicht angedacht, weil man ja erst mal normale Nudeln machen muss, um zu gucken, ob das alles so läuft.

Ach und noch zum Trocknen! Alle Nudeln haben erst mal ungefähr eine Stunde zum Trocknen auf Tüchern auf dem Wäscheständer gehangen. Danach wurden sie im Liegen auf Tücher oder Bettwäsche umverteilt (so viele Geschirrtücher haben wir einfach nicht!). Ich habe gestern schon die trockeneren Nudeln ab und an mal gewendet, heute auch schon. Alle fühlen sich eigentlich trocken an. Aber man will ja doch ganz sicher sein und bloß keinen Schimmel haben, also lasse ich sie noch ein paar Tage überall rum liegen und wende sie regelmäßig. Falls doch noch was Schreckliches damit passiert, schreibe ich einen Nachtrag 😉

Also die Moral von der Geschichte war in der Zusammenfassung schon zu hören: Es war lustig, wir haben jetzt überall Nudeln rumliegen und wenn man Tomatenmark zum Färben nehmen will, braucht man unbedingt mehr Mehl oder weniger Ei!

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10 Gedanken zu “Großproduktion im Test

  1. Witzig, meine Oma (jetzt Ende 80) hat auch immer NUdeln gemacht: 3 Eier, 1 Prise Salz, Mehl nach Bedarf (na und für größere Mengen, mehr Eier, vielleicht auch ein Löffel Wasser). Dann ausrollern und Trocknen lassen, dann im halbtrocknen Zustand Rollen und in Streifen schneiden und wieder 1 Tag trocknen lassen. Dann in der Suppe kochen. Voll lecker, mach ich manchmal noch. Aber man muss halt zeitlich planen. Weiß nicht, wie lange sich sowas getrocknet hält.
    VIele Grüße und viel Spaß beim NUdeln – eure Nudeln auf der Wäscheleine sind auch wirtzig.
    Marlene

    Gefällt 1 Person

  2. Nudeln selbermachen ist super. Leider auch etwas anstrengend, weil ich keine Nudelmaschine, sondern nur ein oldshool-Nudelholz (nicht gelagert, also quasi ein dicker Stock). 😀
    Ich nehme immer dieses „Rezept“, ohne Ei, mit nur Hartweizengrieß http://www.chefkoch.de/rezepte/2000851323950976/Nudelteig-ohne-Eier.html?ID=2000851323950976

    Demnächst werde ich wohl mal das von Maria ausprobieren.
    Zum Trocknen hänge ich die Bandnudeln übrigens immer über das Rost von meinem Backofen, das im (ausgeschalteten) Backofen hängt.

    lieben Gruß, Juliane

    Gefällt 1 Person

    1. Oh ja, ein richtiges Nudelholz ist richtig Arbeit! Da würde ich auch nicht in die Großproduktion gehen 😉
      So ein ähnliches Rezept hatte ich auch irgendwo anders schon mal gefunden, war aber gar nicht zufrieden. Aber vielleicht sind bei diesem die Verhältnisse besser, ich werde es mal testen, danke!

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