Erinnert sich noch jemand an 365 Tage ohne?

Im Zuge meiner Gedanken und meines Schreibens und meiner Überarbeitung habe ich mal durchgesehen, was hier in den letzten zwei Jahren so entstanden ist. (Schon abgefahren!) Dabei habe ich gesehen, dass am 20.04.16 der Startschussbeitrag für die 365-Tage-ohne Challenge online ging. Diese 365 Tage sind jetzt schon ein paar Tage länger um, aber einen Abschluss und ein Resümee will ich trotzdem noch schreiben.

Eigens für dieses Thema hatte ich eine neue Kategorie eröffnet und unter 365 Tage ohne Kleiderkauf kann man sehen, was dazu hier gelandet ist. Vor allem habe ich für mich genäht, aber eher besondere Sachen, wie die Kleider für Hochzeiten. Aber die eigentlich wichtige Information an der Geschichte ist, dass ich ganz genau eine Woche nach dem Startschuss meinen positiven Schwangerschaftstest auf dem Tisch hatte. Das hat mich natürlich vor ganz andere Herausforderungen gestellt, als manch andere Frau, die sich beteiligt hat.

In erster Linie geht es ja bei „kein Kleiderkauf“ darum, keine Kleidung zu kaufen. Aber selbstverständlich hat die Nähblogger-Welt diese Gelegenheit genutzt, um sich die Kleidung selbst zu nähen, heutzutage geht ja eigentlich alles, ich selbst habe auch schon Socken genäht. Ich hatte in diesem einen Jahr sehr viel zu tun, unter anderem meine eigene Hochzeitsfeier, fünf Hochzeiten, auf denen wir eingeladen waren, Umzug, Geburtsvorbereitung und alles was dazu gehört. Daher hatte ich nicht übermäßig viel Zeit zum Nähen und habe mich vor allem in Verzicht geübt. Anstatt Kleidung zu kaufen, habe ich es einfach gelassen. Ja, so einfach ist das.

Eine Freundin hat mich bei der ganzen Aktion ziemlich gerettet, sie hat mir nämlich eine große Tasche mit Umstandskleidung geliehen. Längst nicht alles davon entsprach meinem Stil, aber hey! Nutzen konnte ich einige einfarbige T-Shirts, einige Unterhemden, ein Kleid, einen Pullover, zwei Leggings und eine Jeans! Die Jeans hat mich so richtig gerettet! Zusammen mit einigen von meinen Sachen, die ich bis zum Schluss tragen konnte, unter anderem meine LadyRockers und die Mechelen, kam ich ganz gut aus. Gegen Ende habe ich mir dann aber noch eine zweite Umstandsjeans gekauft, weil es irgendwann im November doch so kalt war, dass meine Röcke nicht mehr hinreichend gewärmt haben.
Auch zwei Stilltops habe ich von besagter Freundin geliehen bekommen, sowie zwei StillBHs, die für die erste Zeit auf jeden Fall ausreichend waren.

Ich habe es erwähnt, man nutzt die Gelegenheit, um sich selbst Kleidung zu nähen. Ein bisschen was ist auch bei mir noch rum gekommen. Vor der Geburt habe ich mir noch Unterhosen genäht, nach bekanntem Schnitt, den habe ich für mich als Liebling entdeckt. Nach der Geburt habe ich dann noch einen Schlauchrock genäht und ein Stillshirt (à la LadyRockers) angefangen. Dabei hat sich aber herausgestellt, dass mir der alte Schnitt, in einer Mischung aus 36 und 38 zugeschnitten, nicht mehr so ganz gut passt. Also liegt es unfertig rum…

Aber zurück zu den gekauften Sachen, denn ich habe Kleidung gekauft o.O Der Reihe nach, in Stichpunkten:

  • ein Langarmshirt, Second Hand, ich habe davon berichtet
  • ein Hut, aus einer Manufaktur, ich habe davon berichtet
  • ein Paar Vans mit Super Mario Aufdruck, passend zu meiner Tätowierung, als Ersatzpaar für meine Hochzeit (ich dachte, wenn ich im fünften Monat mit einigen Pfunden zu viel den ganzen Tag auf 10cm laufen soll, wird es irgendwann mühselig)
  • eine Umstandshose
  • eine Reisetasche (?)
  • zwei eigene StillBHs
  • eine Strickjacke

Die Strickjacke war tatsächlich ein ganz unüberlegter Kauf. Wir waren in einem kleinen Laden, um nach T-Shirts für den Mann im Haus zu gucken. Und da hing sie. Grün, schlicht, passend, wunderschön. Gekauft.

Noch ein paar Gedanken zu dem Thema.

Unter dem hashtag #whomademyclothes haben in der Fashion Revolution Week viele Leute ihre Kleidung auf links getragen, um ihre Labels zu präsentieren. Entstanden ist das Ganze ja durch die schlechten Arbeitsbedingungen von Näherinnen und dem Unglück in einer Fabrik in Bangladesch. Es geht um Transparenz, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen, bessere Bezahlung. So weit so gut. Ich befürworte das und mache mir auch immer mehr Gedanken um faire Kleidung. Die ist zwar teuer, aber wenn man sich jedes Mal in Ruhe überlegt, ob man ein Teil braucht, bzw. nur kauft, wenn man tatsächlich was braucht, kann man sich das auch leisten. Ich zumindest.

Aufgefallen ist mir aber, dass viele Hobbynäherinnen zu der Bilanz kommen, sie selbst nähen ihre Kleidung. Das ist soweit ja schon mal gut und ein wirklich gutes Zeichen gegen die sogenannte fast fashion. Denn wer näht sich schon in mehreren Stunden Arbeit ein Kleid, dass er oder sie dann nicht mal eine Saison trägt?! Aber! Hat sich mal einer Gedanken darüber gemacht, wo unsere Stoffe herkommen? Die Baumwolle wird auch geerntet, der Jersey wird gestrickt, gefärbt, auf Ballen gerollt, hier her verschifft. Abgesehen von der Verarbeitung zu einem Kleidungsstück, eröffnen sich hier die gleichen Probleme. Ehrlich gesagt, habe ich erst im Zuge des Schreibens dieses Artikels angefangen, über diese Problematik nachzudenken. Deswegen habe ich mich auch noch nicht besonders lange mit dem Thema auseinander gesetzt. Trotzdem habe ich beim schnellen Suchen zumindest einen Zeitungsartikel zu dem Thema in der FAZ gefunden, aber von 2014. Wahrscheinlich findet man noch einiges, oder eben nichts, wenn man weiter sucht. Ich selbst kaufe auch nur im Stoffladen vor Ort, hauptsache die Stoffe sind hübsch und am besten auch noch nicht zu teuer. Anderes Produkt, gleiches Denken. Also sollte an diesem Punkt bei mir und vielleicht auch bei anderen Näherinnen noch ein Umdenken stattfinden.

Bio-Kleidung und Bio-Stoffe sind da sicher schon ein guter Schritt. Aber mehr ist besser 😉 Bevor der Minimensch geboren wurde, habe ich mich ein bisschen mit Siegeln auseinandergesetzt. Das ist jetzt schon eine Weile her und die vielfach benannte Stilldemenz tut ihr übriges, auf jeden Fall weiß ich kaum noch was von meinen Recherchen, außer das Ergebnis:

  1. Ökotex Standard 100 ist ein Siegel, das zumindest in meinem Stoffladen an fast jedem Ballen hängt. Aber! Wenn man sich die Kriterien ansieht, muss man feststellen, dass es dabei fast nur um die Einhaltung deutscher, europäischer und amerikanischer Richtlinien geht. Es ist also ein Siegel, dass mir gesetzliche Standards bescheinigt. Sorry aber das erwarte ich eigentlich von allen Stoffen, die ich kaufe. Das hat mich so sehr irritiert, dass es mir im Gedächtnis geblieben ist.
  2. GOTS ist das Siegel meiner Wahl. Dabei werden einem nicht nur Bioqualität auf allen Verarbeitungsebenen bescheinigt, sondern auch faire Arbeitsbedingungen. Und das ist mir besonders wichtig. Außerdem war das ja die ursprüngliche Idee der ganzen Geschichte.

Das ist jetzt doch alles ganz schön lang geworden und wahrscheinlich könnte ich noch eine Weile weiter philosophieren (immerhin habe ich das studiert), aber ich komm auch nicht um den Gedanken drum herum, dass das hier eh keiner liest, weil keine Bilder drin sind. Wir werden sehen. Für mich gibt es auf jeden Fall eine Moral von der Geschichte: Ich werde das weiter machen. Ich werde weiterhin keine Kleidung kaufen und dabei noch mehr auf die Stoffe achten, die ich kaufe. Ich werde versuchen, das Ganze noch auf den Mann im Haus auszuweiten, das ist mir bisher nicht so gelungen. Für den Minimenschen habe ich noch gar nichts gekauft :), sondern nur genäht und Geschenke angenommen und zumindest meine Mutter habe ich soweit, dass sie nur GOTS kauft 😉 Außerdem habe ich gelernt, dass man Siegeln nicht blind vertrauen darf, was sich sicher ebensogut auf Lebensmittelsiegel übertragen lässt.

Und jetzt geht es nach so langer Zeit auf mal wieder zu EiNaB 🙂

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5 Gedanken zu “Erinnert sich noch jemand an 365 Tage ohne?

  1. Hallo Claudia!

    Wow, da hat sich ja wirklich SEHR viel getan in Deinem Leben. Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zur Geburt Deines Kindes! Ich wünsche Euch ein glückliches gemeinsames Leben…

    Ich finde es sehr erstaunlich wie gut Du das mit der Schwangerschaft hinbekommen hast, trotzdem so wenig zu kaufen! An meine eigene kann ich mich noch gut erinnern, der erste Weg war dann mal Umstandskleidung shoppen. Allerdings ist es bei 3 Hosen geblieben. Da ich immer schon übergroße Oberteile getragen habe, ging das. Und als ich aus den Hosen – leider! – raus gewachsen war, ist es mir so auf die Nerven gegangen, dass ich einfach Leggings getragen habe, aus Protest. Weil mein Körper einfach nicht aufgehört hat zu wachsen 😉

    Danke auch für Deine vielen Gedanken rund um das Thema, insbesondere das mit den Stoffen fürs Nähen. Ich mache mir dazu auch immer wieder Gedanken, es ist gar nicht so einfach. Deshalb kaufe ich liebe nix und nutze Gebrauchtes.

    Schön, dass Du die Zeit gefunden hast wieder einmal zu schreiben und den Beitrag zu EiNaB zu verlinken!

    lg
    Maria

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    1. Erst mal danke für die Glückwünsche und danke, dass du bis zum Schluss gelesen hast. Aber von dir habe ich auch nichts anderes erwartet 😉
      Für den Minimenschen habe ich auch viel aus alter Kleidung genäht, aber es ist auch nicht so schwierig, einen kleinen Pullover mit Schnittmuster aus einem großen Pullover zu nähen. Für mich finde ich das schwieriger. Ich habe nicht die Kreativität, um gebrauchte, nicht ganz modische Kleidung in was Cooles umzunähen. Aber daran kann man ja noch arbeiten 🙂

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  2. Hallo Claudia! Herzlichen Glückwunsch! Du motivierst mich grad, für eine mögliche, zukünftige Schwangerschaft den gleichen Ich-kauf-nix Weg einzuschlagen wie du.
    Kleidung weriterzunutzen find ich immer gut. Vor allem, wenn man sie nicht so lange trägt wie eben Umstandskleidung oder Babysachen.
    Ich hab mir zu dem Theme Stoffkauf bislang nicht so große Gedanken gemacht. Meist scheitert es ja schon an der Ich-kauf-nix Strategie in einem normalen Geschäft. Naja, zumindest versuche ich überwiegend Second Hand zu tragen. Bei der Wohnungsauflösung von meiner Oma sind mir ganz viele tolle Stoffe zugefallen. Sie hat früher auch sehr viel genäht. Die schöneren davon vernähe jetzt ich 🙂 Irgendwie auch Second Hand…. Vielleicht mal das eine Überlegung wert? In manchen Sozialkaufhäusern gibt es eine Ecke mit Stoffen. Manchmal hat man Glück und es ist was tolles dabei.
    LG, Daniela

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    1. In unserem Sozialkaufhaus gibt es zumindest eine Kurzwarenabteilung, da gibt es immer die coolsten Knöpfe. Aber nach Stoff habe ich noch nie gesucht…
      Es gibt ja auch viele Möglichkeiten, Kleidung zu Umstand umzuarbeiten. Aber gerade bei Hosen kam das für mich nicht in Frage, weil ich nur zwei Hosen habe, die ich ja nach der Schwangerschaft wieder tragen wollte. Das ist dann die Kehrseite, wenn man nur so viel hat, wie man wirklich braucht 😉

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      1. Ja, da hast du recht. Ich „verschleuder“ von den Hosen, die ich nicht so gerne mag, die eine oder andere für solche Umarbeitungsprojekte oder Arbeitseinsätze. Dann tut es mir auch nicht Leid drum, wenn man schief gehen sollte 😉

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